Abb. 30.1.
Bernwardtür
Dom zu Hildesheim,
1015
Mit Detail.
Das linke Schienbein und das Knie von Maria bilden zusammen einen grafisch codierten Pilz. Das Schienbein ist der Stiel, das Knie der Hut. Abbildungen der Maria mit Pilz oder Pilzen im unteren Bereich des Gewandes, siehe
Abb. 30.3.2./117.1./118.1./119.1.
Bildquelle: brunnenturmfigur.de
Abb. 30.2.
Bernwardtür
Dom zu Hildesheim, 1015
Tafel 4
Baum der Erkenntnis mit Adam und Eva
Zwei langstielige Pilze des Dreifachpilzes repräsentieren den Baum der
Erkenntnis. Der dritte Pilz wird von Eva benutzt, um den Schambereich zu bedecken. Die stumpfkegeligen Hüte zeigen an den Spitzen ausgeprägte Papillen. Die Pilzstiele sind sehr markant gestaltet. Beim linken Stiel ist eine Furche über die ganze Länge zu sehen. Stiele mit langen Furchen oder sehr langfaseriger Struktur sind typisch für die Gattung Psilocybe, siehe Abb. 63. Die Stiele sind überproportional lang, schlank und über die ganze Länge gleichmässig dünn. Die eigenartige Krümmung der Stiele und die komische Wuchsrichtung sind weitere typische Merkmale. Die Proportionen von Hut und Stiel und die beschriebenen mykologischen Bestimmungsmerkmale, entsprechen dem Psilocybe
semilanceata.
In der universitären Wissenschaft wird die Bernwardtür oft kunsthistorisch, ikonologisch und ikonografisch behandelt. Der Baum der Erkenntnis in Tafel 4
wird stets als Baum interpretiert, obwohl die oben beschriebenen Bestimmungsmerkmale in keinster Weise auf Bäume zutreffen. Chemiker
Dr. Jochen Gartz und Mykologe Paul Edward Stamets führen Tafel 4 in ihren
Arbeiten als Bildnachweis für Pilze im Christentum an.
Hildesheim ist ein Zentrum christlicher Abbildungen mit Pilzen.
Siehe Abb. 3./30.2./30.3.2./84./85./96.
Der ottonische Kaiser Heinrich II. (HRR) wurde in Abbach oder Hildesheim
geboren. Sicher ist, dass Bernward von Hildesheim Erzieher von König Otto III.
war, siehe Abb. 48.1. Heinrich gründete auch das Bistum Bamberg, siehe Bamberger Apokalypse Abb. 54./55.
Die Gegenreformation führte ab 1542 zum Untergang der Hildesheimer
Domschule. 1594 wurde das Quadrivium von den Jesuiten übernommen und in
ein Jesuitenkolleg umgewandelt.
Bezüglich ikonografischer Forschung in der Wissenschaft der christlichen Kunstgeschichte und Ignorierung christlicher Pilzabbildungen siehe:
Abb. 5. Dr. Erwin Panofsky
Abb. 49. [1] Dr. Katharina Winnekes
Abb. 50. [2] Hermann Filitz, Rainer Kahnsitz, Ulrich Kuder
Abb. 51. [2] Hermann Filitz, Rainer Kahnsitz, Ulrich Kuder
Abb. 52.1. [3] Prof. Dr. Heinrich W. Pfeiffer
Abb. 97. [4] Josef Riedmaier
Abb. 117.1. Wilton-Diptychon, Altarbild, 1395–1399
Bildquelle: brunnenturmfigur.de
Abb. 30.3.1.
Bernwardtür
Dom zu Hildesheim, 1015
Tafel 6
Abb. 30.3.2.
Bernwardtür
Dom zu Hildesheim, 1015
Tafel 6